• Fr, 10.08.18

 

DDR und Mauerfall

 

von Moritz Kurth

 

 

Die Geschichte der Berliner Mauer

Am 9. November 1990 fiel die Mauer in Berlin. Sie wurde am 13.08.1961 gebaut, um die Bundesrepublik Deutschland (BRD) von der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) abzugrenzen. Die Öffnung der Grenzen war ein großer Schritt für Deutschland. Man spricht auch von der friedlichen Revolution oder von der Wende. Die Zusammenführung beider Republiken war ein neuer Start für ein wiedervereintes Deutschland.

Aber warum wurde sie überhaupt erbaut? Warum hat man Millionen von Menschen eingesperrt und tausende Familien voneinander getrennt?

Es begann in der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg. Deutschland war bereits in West- und Ostdeutschland aufgeteilt, also in die BRD und die DDR. Die Regierung der DDR sah sich als Teil der Sowjetunion. Viele Menschen in der Ostzone wollten aber nicht unter einer kommunistischen Regierung leben. Sie zogen fort, in die BRD. Das missfiel der Regierung der DDR und sie ordneten immer strengere Grenzkontrollen an.  So wuchs die Angst der Menschen im Osten, dass die Grenzen irgendwann komplett dicht gemacht werden. In einer Pressekonferenz am 15.Juni 1961 sagte der DDR-Staatsvorsitzende (Walter Ulbricht) auf eine Frage eines Reporters, ob eine Mauer entlang der Grenze gebaut werden soll:

„… Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten …“

Doch schon am 12. zum 13. August 1961 wurde mitten in der Nacht eine Mauer entlang der Grenze gebaut. Vorerst wurden Zäune und Stacheldraht hochgezogen und den Menschen aus den Häusern, deren Ausgang in Westdeutschland lagen, wurden andere Quartiere zugewiesen. Die Häuser hat man dann zugemauert. Als die Menschen davon erfuhren, versuchten viele Leute noch über die Grenze zu kommen. Etliche schafften es, doch viele, die auf der anderen Seite der Grenze arbeiteten oder gerade zu Besuch waren, konnten nicht mehr zurück. So wurden tausende Familien getrennt. Zuerst gab es viel Protest, der allerdings immer so schnell niedergeschlagen wurde, dass sich die Bürger der DDR mit der Situation arrangierten. Man fing an, ein neues Leben aufzubauen. In der Zwischenzeit wuchs die Mauer zu einem massiven Gebilde. Um sie herum wurde ein Streifen von bis zu 500 Metern Breite gerodet und von Häusern befreit. Hier wurden Grenzsicherungsanlagen installiert, die die Menschen von der Flucht abhalten sollten. Die Grenzsoldaten bekamen den Befehl, jene, die sich nicht aufhalten ließen, zu erschießen. Durch die Grenzsicherungsanlagen und den Schießbefehl kamen allein in Berlin rund 140 Flüchtlinge ums Leben. Daher bekam der vom DDR-Regime „antifaschistischer Schutzwall“ genannte Kontrollstreifen schnell den Namen „Todesstreifen“.

 

Neue Politik und das Leben in DDR

Als die DDR gegründet wurde, musste eine neue Politik geschaffen werden. Die Politiker bestanden hauptsächlich aus Sozialisten. Unter der Führung von Erich Honecker nahm man sich das politische System und die Gesetzgebung der Sowjetunion zum Vorbild. Unter dem Vorwand, für die Sicherheit der Bürger sorgen zu wollen, baute man die sogenannte StaSi (Staats-Sicherheits-Dienst) auf. Die StaSi kümmerte sich allerdings eher um Menschen, die dem Regime kritisch gegenüberstanden. Sie spionierten die Bürger über ein ausgeklügeltes System aus und nahmen jeden fest, der sich gegen die Regierung äußerte oder in den Westen fliehen wollte.

In der DDR herrschte keine freie Marktwirtschaft wie in Westdeutschland. Dort wurde die Planwirtschaft aufgebaut. Planwirtschaft bedeutet, dass alle knappen Güter von einer zentralen Stelle aus verteilt werden. Dadurch gab es dann nur begrenzte Möglichkeiten zur Fertigung neuer Güter. So waren dann etliche Lebensmittel, Klamotten und Autos so knapp, dass es diese zeitweise gar nicht mehr gab und man für einige Waren, wie z.B. ein Auto, einen Antrag stellen musste.

Trotzdem hatte die DDR nicht nur schlechtes zu bieten. Die DDR hatte ein gut geregeltes System, was auch zum Großteil funktionierte. Beispielsweise gab es keine Arbeitslosen. Jedem Bürger wurde eine Arbeit zugewiesen, sodass die Arbeitslosigkeit bei null Prozent lag. Auch an Plätzen in Kindertagesstätten und die Schulen gab es nie einen Mangel, sodass auch dieser Aspekt dafür sorgte, dass jeder, auch die Frauen, arbeiten gehen konnten. Viele ehemaligen DDR-Bürger berichten über den starken Zusammenhalt, den es unter den DDR-Bürgern gab. Allerdings sorgte das Spitzelsystem der StaSi auch für viel Misstrauen untereinander

Das Schlimmste war sicherlich das Gefühl des Eingesperrt Seins. Die Bürger waren vom Rest der Welt abgeschnitten, durften keine westlichen Fernseh- oder Radioprogramme hören oder sehen. Auch westliche Zeitungen waren in der DDR verboten, die Briefe wurden zensiert, Päckchen kontrolliert. Es drangen kaum Nachrichten aus anderen Ländern herüber und wenn, dann nur das, was die Regierung zuließ, sprich: Viele Nachrichten wurden verfälscht oder von vorneherein derart negativ beurteilt, dass eine objektive Berichterstattung gar nicht möglich war.

 

Was ist Sozialismus?

Sozialismus ist eine Ideologie (Vision oder Vorstellung), in der die Hauptpfeiler Gerechtigkeit, Gleichheit und Solidarität stehen sollen. Niemand soll hungern, keiner soll mehr als der andere haben, alle Menschen sollen gleichbehandelt werden und gleichberechtigt mitbestimmen dürfen.

 

Trotz Sozialismus gescheitert?

In der DDR wie auch in anderen Ländern, in denen Sozialismus herrschte, war bisher immer ein Diktator an der Macht. Doch da sich Sozialismus und Diktatur stark widersprechen, konnte das nicht gutgehen. Das Volk merkte sehr schnell, dass der ihnen vorgegaukelte Sozialismus keiner war. Je deutlicher das wurde, desto mehr wurden die Bürger kontrolliert und gegängelt, um das Volk ruhig zu halten. Am Ende führte das dazu, dass das DDR-System zusammenbrach.

 

Mauertote und Demos gegen die DDR

Viele Ostdeutsche wollten aus der DDR fliehen, weil sie nicht mehr dort leben wollen.  Der Ruf nach Freiheit machte sich so langsam im Volk breit. Man hatte zwar alles, was man zum Leben braucht, aber eines der wichtigsten Menschenrechte, die „Freiheit“, gab es dort nicht. Man konnte nicht einmal in ein anderes Land reisen, neue Sachen kennenlernen, die eigene Meinung wurde unterdrückt.

Die Fluchtversuche wurden immer kreativer. So bauten zum Beispiel die Familien Wetzel und Strelzyk im Jahr 1979 aus Betttüchern, Lappen und allen anderen möglichen Stoffstücken einen Heißluftballon, mit dem sie über die Staatsgrenze bis nach Bayern flogen. Etliche andere versuchten, sich in Ostberlin einen Tunnel unter der Grenze zu graben und durch diesen zu fliehen.

Viele sind allerdings bei dem Versuch, über die Mauer zu fliehen, erschossen worden, da die Grenzsoldaten den Befehl hatten, jene zu erschießen, derer sie nicht anders habhaft werden konnten.

Es gab aber auch Menschen, die versuchten, im Land etwas zu ändern. Sie haben demonstriert und die Öffnung der Grenzen gefordert. Viele dieser Demonstrationen wurden gewaltsam auseinandergetrieben, Menschen wurden festgenommen und bekamen wegen Landesverrat hohe Haftstrafen. Letztendlich waren es aber gerade diese friedlichen Demonstrationen, die das Ende der DDR einläuteten.

 

Öffnung der Grenzen: „Wir sind das Volk!“

Im Mai 1989 kam es durch den Nachweis des systematischen Wahlbetruges bei den Kommunalwahlen zu einem Eklat, der dazu führte, dass an jedem Monatssiebten auf dem Berliner Alexanderplatz Protestkundgebungen stattfanden. Als dann im Juli die zweimonatigen Ferien begannen, reisten unzählige Bürger Richtung Ungarn, um dort eine Möglichkeit zur Flucht zu suchen. Rund 35.000 Menschen gelang auf diesem Wege die Flucht in den Westen.

Doch auch die in der DDR verbliebenen Bürger wollten Veränderungen. So begannen im September die sogenannten Montagsdemonstrationen. Mit dem Ruf „Wir sind das Volk!“ meldeten sich Woche für Woche Hunderttausende DDR-Bürger im ganzen Land zu Wort und protestierten gegen die politischen Verhältnisse. Sie wollten eine friedliche, demokratische Neuordnung und das Ende der SED-Herrschaft erreichen. Zudem wurde Reisefreiheit und die Abschaffung des Ministeriums für Staatssicherheit gefordert.

Die Massenflucht über Ungarn sowie die Demonstrationen, bei denen bis zu 320.000 Bürger der DDR teilnahmen, führten zu einer enormen Aufmerksamkeit im Rest der Welt und letztendlich dazu, dass das DDR-Regime nachgab. Am 9 November 1989 verkündete gegen 19 Uhr der Pressesprecher der DDR, dass die Reisemöglichkeit „ohne Vorliegen von Voraussetzungen (Reiseanlässe und Verwandtschaftsverhältnisse)“ aufgrund kurzfristig erteilter Genehmigungen über Grenzübergänge ins Bundesgebiet und nach West-Berlin „sofort, unverzüglich“ gelte.

Um 21 Uhr kam es dann am Grenzübergang in der Bornholmer Straße zu der ersten Grenzöffnung und bis Mitternacht waren dann die Grenzen an allen Berliner Übergängen geöffnet. In dieser Nacht feierten Berliner aus beiden Teilen der Stadt ihr Wiedervereinigungsfest nach 28 Jahren der Trennung durch Mauer und Todesstreifen.

 

Quelle: wikipedia

 

 

 

Interview mit Frau Titze

Frau Titze war als Referendarin an unserer Schule. Wir haben sie für die KSN befragt.

 

Wir haben erfahren, dass Sie in der DDR geboren wurden und dort noch einige Jahre gelebt haben.

Wir möchten Ihnen einige Fragen zu dieser Zeit stellen!

 

Wann und wo wurden Sie geboren

Ich wurde 1979 in Brandenburg an der Havel geboren.

 

Wo verbrachten Sie Ihre Kindheit?

Auf einer kleinen Halbinsel in der Nähe von Rostock

 

Erzählen sie uns vom Leben in der DDR.

Alle Leute gingen arbeiten, es gab keine Arbeitslosen. Ich kam bereits mit einem halben Jahr in die Kinderkrippe. In der Schule wurde man zunächst Jungpionier, dann Thälmannpionier und später FDJler. Es gab nur 2 Fernsehsender und man bekam nicht alles zu kaufen (z.B. Bananen). Aber es gab viele Freizeitangebote wie z.B. Sport-AGs und Sommerferienlager.

 

Wer war damals der Herrscher in der DDR?

Erich Honecker war der damalige Diktator.

 

Konnte man in der DDR wählen?

Ja, aber es waren keine geheimen Wahlen.

 

Was ist der Unterschied zwischen den Wahlen dort und jetzt hier?

Es gab zwar Wahlkabinen, aber die Leute, die dort hineingingen, wurden registriert. Es gab schließlich nichts zu verbergen. Man konnte nur die gesamte Liste annehmen oder ablehnen. Strich man bei der Ablehnung aber nicht jeden Namen durch, war der Wahlzettel ungültig. Heute geht das alles viel gerechter zu.

 

Wie haben sie die Diktatur erlebt? Was haben Sie darüber gedacht?

Ich war damals noch so klein, dass ich gar nicht wusste, was politisch passierte.

 

Wie war die Wirtschaft, welche Besonderheiten gab es?

Wir hatten eine Planwirtschaft, das heißt eine bestimmte durch den Staat festgelegte Menge musste pro Tag produziert werden.

 

Gab es in der DDR viele Ausländer? Aus welchen Ländern kamen sie hauptsächlich?

Nein, es gab nur sehr wenige Gastarbeiter aus dem sozialistischen Ausland (also befreundeten Staaten) wie Vietnam.

 

Erklären Sie uns bitte das Schulsystem in der DDR.

Man ging ab der 1. Klasse in die POS (Polytechnische Oberschule) und blieb dort mit allen bis zur 10.Klasse. In den ersten 4 Jahren gab es nachmittags den Hort, der mit der heutigen OGS vergleichbar ist. Wenige durften nach der 10. Klasse auf die EOS (Erweiterte Oberschule) und konnten dort das Abitur machen. Außerdem hatten wir von Montag bis Samstag Unterricht, was aber kurz vor der Wende bereits abgeschafft wurde.

 

Waren Sie in bestimmten Organisationen oder Vereinen?

Ja, ich war im Turnverein und habe Leichtathletik gemacht. Und außerdem kam jeder automatisch in der ersten Klasse zu den Jungpionieren.

 

Was ist ein Pionier?

Ein Mitglied der Pionierorganisation Ernst Thälmann der DDR. Das ist eine Organisation, der die Gemeinschaft sehr wichtig war. Von der 1. bis zur 3. Klasse war man Jungpionier und trug zu bestimmten Anlässen ein blaues Halstuch. Danach wurde man bis zur 7. Klasse Thälmannpionier und trug ein rotes Halstuch. Es gab Gebote der Jungpioniere wie z.B. „Wir Jungpioniere achten alle arbeitenden Menschen und helfen überall tüchtig mit.“ Alle waren sehr stolz, Pioniere sein zu dürfen.

 

War ihre Familie finanziell abgesichert?

Ja, uns ging es gut.

 

Konnten Ihre Eltern den Beruf ausüben, den sie wollte?

Ja.

 

Sind sie zu DDR-Zeiten in Urlaub gefahren? Wohin?

Wir haben an der Ostsee gewohnt. Dort kamen alle in den Urlaub hin. Manchmal bin ich mit meinen Großeltern in den Harz oder das Fichtelgebirge gefahren. Manche DDR-Bürger sind auch nach Ungarn gereist. In viele Länder wie z.B. England, Spanien, Italien usw. durfte man nicht fahren.

 

Gab es Dinge, die sie in der DDR vermisst haben oder gerne gehabt hätten? Welche?

Nein, denn ich kannte ja nichts anderes.

 

Wollte ihre Familie die DDR verlassen?

Ja, die Sachen waren schon gepackt und wir hatten bereits eine Wohnung in Dortmund. Dann kam aber die Wende dazwischen.

 

Wie wurde in der DDR über die Bundesrepublik gesprochen?

Offiziell war es das feindliche kapitalistische Ausland, aber die meisten DDR-Bürger wollten dort hin. Dort gab es alles zu kaufen, man hatte mehr Geld, alles war angeblich besser.

 

Wie alt waren Sie, als die Mauer fiel?

Die Mauer fiel kurz vor meinem 10. Geburtstag.

 

Beschreiben Sie, was Sie damals gedacht und gefühlt haben.

Es war sehr aufregend. Meine Eltern haben in dieser Zeit sehr viel ferngesehen. Als die Mauer endlich fiel, haben alle gejubelt und da habe ich mich natürlich auch gefreut.

 

Welche Dinge haben sich ganz besonders verändert, als die DDR der BRD beitrat?

Es gab plötzlich viele Arbeitslose, man musste Angst um seinen Arbeitsplatz haben. Aber es gab auch plötzlich alles zu kaufen. Wir durften auch endlich dorthin reisen, wo wir wollten.

 

Was hat sich im Schulsystem nach der Wende verändert?

Das Schulsystem der BRD wurde einfach übernommen. Es gab einige Anlaufschwierigkeiten und plötzlich war alles aus der DDR schlecht.

 

War es für sie schwierig, sich in dem neuen System zu Recht zu finden?

Zum Glück gab es meine Eltern und Lehrer, die da sehr hilfreich waren. Für uns Kinder waren nur manche Unterrichtsstunden komisch, weil wir nicht so viele Lehrer für Englisch hatten. In der DDR wurde eher Russisch gelernt.

 

Welche Dinge gibt es, die in der DDR viel besser gelaufen sind als heute in der Bundesrepublik?

Alle Leute hatten Arbeit. Alle Kinder hatten sofort einen Kinderkrippenplatz, so dass die Eltern beruhigt arbeiten gehen konnten. Die Leute haben untereinander sehr gut zusammengehalten, weil man aufeinander angewiesen war.

 

Welche Dinge sind in der Bundesrepublik viel besser als in der DDR?

Heute bekommt man alles zu kaufen. Man kann dorthin reisen, wo man möchte. Es ist gut, in Freiheit zu leben und sich nicht beobachtet und eingesperrt zu fühlen.

 

Wie denken Sie heute über die DDR?

Ich hatte dort eine sehr schöne Kindheit, bei der es mir an nichts gefehlt hat. Es gab sicherlich einiges, was nicht so gut gelaufen ist, aber es war auch nicht alles schlecht.

 

Beschreiben Sie ihr Gefühl, wenn Sie an ihr Leben damals und jetzt denken.

Das ist schwierig zu beantworten, weil ich damals noch ein Kind war. Meine Eltern haben sich um alles gekümmert. Heute muss ich mich um meine eigenen Kinder kümmern. Aber es ist toll zu wissen, dass es ihnen an nichts fehlt.